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Auf den oben verlinkten Seiten haben wir für unserer acht Internatshäuser bzw. Gruppen etwas Platz im großen World Wide Web reserviert. Dort können sich die Gruppen selbst vorstellen und aus ihrem Alltag berichten.

Dass dies in den meisten Fällen bisher noch nicht geschehen ist, ist übrigens kein Grund zur Sorge: So lange es wichtigere Dinge im Leben von Kindern und Jugendlichen gibt, als Berichte ins Internet zu stellen, ist eigentlich alles in bester Ordnung.


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Archiv Donnerstag, 11.02.2010, 19:12 Uhr Webmaster
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Fünf Sterne und Geheimnisse im Taschenlampenlicht
Rückblick einer ehemaligen Internatschülerin 
Liebe Eltern,

ich wurde von meiner lieben Karola, ja so nenne ich meine Erzieherin, gebeten, meine Eindrücke über das Internat aus der damaliger Zeit aufzuschreiben. Jetzt denke ich daran zurück und mir huscht ein Lächeln über das Gesicht. Es war eine schöne, unbeschwerte Zeit. Aber alles von vorne.

Ich selbst kenne auch das Internat in Moskau, und meine erste Begegnung mit Haus 2 oben kam mir deshalb vor, wie der Besuch eines Stammgastes von McDonald's in einem Restaurant mit 5-Sterne-Koch. So etwas gibt es? Nur 2-Bett-Zimmer? Wohnzimmer? Essraum? Alles ganz gemütlich für nur 10 Mädchen? Und gleich 3 Erzieherinnen, die einen freundlich anlächeln und begrüßen.

Da lest ihr dies nun und denkt, das ist mir keine Hilfe. Dass ein ausländisches Mädchen das als Luxus empfindet ist doch klar. Aber kann mein Kind sich auch hier wohlfühlen? Mein Kind, das immer zu Hause bei Mama und Papa gut aufgehoben war?

Ja, das wird es sicher. Ich habe im Internat in Dortmund-Hacheney viel fürs Leben gewonnen.

Erstens der Alltag mit den Mädchen. Man begegnet ganz vielen Mädchen. Den netten und den gemeinen. Man lernt ihre unterschiedlichen Interessen und Hobbys kennen. Man streitet sich mit denen und man lacht zusammen. Es ist einfach toll. Man kommt dadurch weiter, durch die Begegnungen mit Kindern aus allen möglichen Familien. Man entwickelt sich, und das nicht nur dank Freunden. Auch Erzieherinnen waren für uns immer da. Wie oft habe ich geheult und wie oft wurde ich getröstet. Jede meiner Frage wurde ernst genommen. Man behandelte mich zugleich wie einen Kind, Pubertären und Erwachsenen. Da waren meine liebe Erzieherinnen recht flexibel.

Die Spielabende waren sehr schön. Auch wenn die Mädchen zusammen von oben neugierig nach unten guckten in der Hoffnung, dass ein Junge sich erbarmt und ihnen ein Lächeln schenkt. Hier kamen die ersten Liebestränen (leider nicht meine, aber es war trotzdem schön, sich als kluge Ratgeberin in Sachen Liebe aufzuspielen). Hier kamen die erste Küsse zustande. Aber liebe Eltern, keine Sorgen, die Betten wurden nachts immer kontrolliert.

Ich weiß noch, wie ich im Haus 5 unten mit Peter immer meine Tischtennisrunden genoss (oh, wie ich das vermisse) und wie ich in Haus 7 unter strenger Beaufsichtigung des muskulösen Erziehers versucht habe, im Fitnessraum die Geräte zu erobern. Man soll das Feld nicht immer nur Jungs überlassen.

Apropos Jungs: Sie und ihre Fußballspiele pünktlich nach den Hausaufgaben waren immer die Show des Abends. Auch Mädchen wurden zugelassen - natürlich nur die sportlichsten. Es war eine schöne Zeit. Voller Aktion, Spaß, umgeben von netten Betreuern und Freunden.

Was muss ich für die besorgten Eltern noch erwähnen? Ich hatte eine super Hausaufgabenbetreuung. Meine Hausaufgabenhefte waren immer in meinem Rucksack. Notfalls konnten auch andere Erzieherinnen einspringen, wenn meine mal überfragt waren. Latein in 3 oben, das machte Spaß.

Was ich damals nicht so doll mochte, dass man immer früh ins Bett musste. Mensch, war ich immer froh, wenn ein Geburtstag kam und ich deswegen von da an ein paar wertvolle Minuten länger draußen verbringen konnte.

Klar, gab es Ärger. Sowohl mit Mädchen als auch mit Erzieherinnen. Aber hat man das nicht auch zu Hause. Vor allem in der Pubertät? Und lernt man nicht in solchen Situationen den besseren Umgang mit Menschen. Beziehungsweise kommt man dadurch nicht weiter?

Wenn ich also ans Internat zurückdenke, dann erscheint mir das Bild von drei ganz lieben Frauen, die immer für mich da waren. Von meinen Freundinnen, die mir nachts im Zimmer heimlich unter Taschenlampenlicht ihre Geheimnisse anvertraut haben. Von meinen ersten Schminkversuchen mit erfahrenen Mädchen. Mensch, was waren meine Eltern schockiert, als ich am Wochenende mit grünen Wimpern und lila Lippen aufgetaucht bin. (Da seid ihr jetzt vorgewarnt!) Von unseren Ausflügen zum größten Weihnachtsbaum in Dortmund. Von meiner lieben Karola, die mir immer mit ihrem Humor sowie Rat und Tat beiseite stand.

Ich erinnere mich an den Tag, als meine Familie umgezogen ist und ich deshalb nicht mehr im Internat wohnen durfte. Da klammerte ich mich ans Sofa und wollte nicht weg. Es war eine wertvolle Zeit und ganz ganz viele Menschen waren daran beteiligt, dass es mir gut ging. Und deshalb, liebe Eltern, wenn ich an die Zeit zurück denke, dann kann ich mit gutem Gewissen sagen, ich war dort gut aufgehoben. Und da diese Möglichkeit hiermit besteht, möchte ich mich bei allen bedanken, die für mich da waren.

Also, wäre ich in der Werbebranche und müsste ich einen Slogan erfinden, würde ich sagen: Drei zwei eins - das Kind gehört ins Heim!
Artikel-Note: 2.8


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